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Wer war
Arp Schnitger?

Ein genialer Künstler und
erfolgreicher Geschäftsmann

Wer war
Arp Schnitger?

Ein genialer Künstler und
erfolgreicher Geschäftsmann

Arp Schnitger kam in der oldenburgischen Wesermarsch im Nordwesten von Niedersachsen zur Welt und wurde am 9. Juli 1648 in Schmalenfleth (im Kirchspiel Golzwarden) getauft. Beigesetzt wurde er am 28. Juli 1719 in Hamburg-Neuenfelde. Wie er seine weit über das übliche Maß hinausreichende Bildung und seine Lateinkenntnisse erwarb, muss noch weiter erforscht werden. In der väterlichen Werkstatt erlernte er zunächst den Beruf des Tischlers. Damit legte er die Grundlage für die vorzügliche handwerkliche Arbeit, die man noch heute an seinen Orgeln bewundern kann. Sein Vater war auch an der Orgel in Golzwarden als Tischler aktiv.

Die Anfänge

1666 ging Arp Schnitger nach Glückstadt zu seinem Onkel Berendt Hus in die Orgelbauerlehre. Hier machte er sich bald unentbehrlich und bestimmte die Arbeit der Werkstatt maßgeblich mit. So verzeichnet die Kirchenrechnung von St. Cosmae in Stade von 1673 eine stattliche Zuwendung an den Orgelbaugesellen. Er hat 1676 für St. Wilhadi in Stade eigenständig ein großes Orgelprojekt abschließend ausgeführt und qualifizierte sich damit nach dem Tod seines Lehrmeisters für die Weiterführung der Werkstatt.

Zu den ersten Arbeiten gehörten Orgelbauten in der Umgebung von Stade. Durch die Zusammenarbeit mit dem bedeutenden Hamburger Bildschnitzer Christian Precht in der Cosmaekirche in Stade erhielt er wahrscheinlich den Auftrag für einen repräsentativen Neubau in der St. Johannis-Klosterkiche in Hamburg. Dieses Instrument begründete seinen hervorragenden Ruf. Es befindet sich heute in Cappel (bei Bremerhaven).

Darstellung einer Orgel im Stil Schnitgers an der Emporenbrüstung vor dem Schnitger-Gehäuse in Golzwarden.

Darstellung einer Orgel im Stil Schnitgers an der Emporenbrüstung vor dem Schnitger-Gehäuse in Golzwarden.

Meisterwerke

Im Anschluss erhielt er seinen größten Auftrag, der nicht nur für die damalige Zeit einmalig war: In der Hamburger Hauptkirche St. Nicolai entstand in den Jahren 1682 bis 1687 ein Orgelneubau mit 67 Registern, 4 Manualen und Pedal mit über 4000 Pfeifen, von denen die schwerste 860 Pfund wog.

Dieses Instrument war die größte damals bekannte Orgel, die von der Orgelwelt bewundert wurde. Die bedeutendsten Organisten der damaligen Zeit, Dieterich Buxtehude und Johann Sebastian Bach, lernten die »ungemeine Orgel« kennen und schätzen.

Das Werk fiel 1842 dem großen Hamburger Brand zum Opfer.

Wegen dieses Auftrages verlegte Schnitger seine Werkstatt von Stade nach Hamburg. Er erhielt das Bürgerrecht in Hamburg und kam nur in Ausnahmefällen zu seinen ehemaligen Wirkungsstätten. Schon jetzt wurden die Orgelarbeiten Schnitgers durch verschiedene Gesellen eigenständig ausgeführt.

1684 vermählte sich Arp Schnitger mit Gertrud Otte, einer Hamburger Kaufmannstochter. Er gelangte in den Besitz eines Stadthauses und eines Hofes in Neuenfelde, der heute als „Orgelbauerhof“ bezeichnet wird. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und vier Söhne hervor. Die Familie erwarb eine persönliche Loge in der Neuenfelder Kirche, die heute noch das Wappen des Meisters zeigt.

Schnitgers Familienwappen

Deutlich zu erkennen ist der Zirkel, das Berufszeichen des Orgelbaus. In die Verzierung des Helms sind zwei Stimmhörner eingefügt, diese wurden zum Stimmen von Orgelpfeifen benutzt. Im Wappen von Schnitgers Frau Gertrud Otte deuten Blumen und Weizenähren auf ihren Hof (nach Gustav Fock, 1974). Den oberen Abschluß in Schnitgers Helmzier bildet die schwedische Krone als Hinweis auf das damals zum schwedischen Territorium gehörige Alte Land, ein Gebiet südwestlich von Hamburg, das noch heute vom Obstanbau gekennzeichnet ist. In der Helmzier von Gertrud Ottes Wappen weist ein Baum ebenfalls auf das Alte Land.

Man kann sagen, dass Arp Schnitger nicht nur ein genialer Orgelbauer, sondern auch ein präzise planender und weitsichtiger Geschäftsmann war.

Aus der großen Zahl der Schnitgerschen Bauvorhaben ergibt sich, dass er viele Mitarbeiter beschäftigt haben muss. 50 Gesellen wurden allein namentlich benannt durch den Schnitger-Forscher Gustav Fock. Viele schriftliche Quellen sind verloren gegangen oder müssen noch wissenschaftlich ausgewertet werden. Auf jeden Fall kann man sagen, dass Arp Schnitger nicht nur ein genialer Orgelbauer, sondern auch ein präzise planender und weitsichtiger Geschäftsmann war. Zu seinem Filialsystem gehörte die Beauftragung von Meistergesellen mit der eigenständigen Bauleitung an verschiedenen Orten.

Die Hauptregionen der Tätigkeit Arp Schnitgers waren die unter schwedischer Herrschaft stehenden Herzogtümer Bremen und Verden mit Stade und dem Alten Land, das Oldenburger Land, Ostfriesland, Stadt und Provinz Groningen, die Städte Hamburg, Bremen, Lübeck, Magdeburg und Berlin sowie das unter dänischer Herrschaft stehende Schleswig-Holstein. Daneben gingen Orgeln nach England, Portugal, Spanien und Russland.

Schnitger erhielt Orgelbauprivilegien für große Teile Norddeutschlands. Als Bedingung für den Erhalt des Privilegs baute er die Lamberti-Orgel in Oldenburg für den halben Preis. Er gestaltete die Instrumente für Altona oder im Bremer Dom (im Zusammenhang mit dänischen und schwedischen Privilegien) sehr preisgünstig. Dieser Verzicht hat sich für ihn später geschäftlich ausgezahlt. Aber er ging auch in die Verantwortung: Finanzschwache Gemeinden, vor allem in seinem Oldenburger Heimatland, konnten darauf vertrauen, dass ihnen der Meister Sonderkonditionen bis hin zum Selbstkostenpreis einräumte. Er war sich stets bewusst, dass seine Arbeit einem höheren Ruhm galt. So fügte er Kontrakten oder Schriftstücken gern ein »Soli Deo Gloria« oder ähnliche Formulierungen bei.

Spätes Schaffen

In seinen letzten Lebensjahren kam Schnitger in direkten Kontakt zum preußischen Hof. Er wurde 1708 zum preußischen Hoforgelbauer ernannt. Belegt sind zahlreiche Eingaben von ihm wegen ausbleibender Zahlungen. Leider ging das fast vollständig erhaltene Werk in der Kapelle von Schloss Charlottenburg im Zweiten Weltkrieg verloren. Schnitger hing sehr an jedem seiner Werke. Er war in späteren Jahren oftmals auf Inspektionsreisen und machte die Kirchenvorstände auf Schäden und notwendige Reparaturen aufmerksam.

Seine Ehefrau Gertrud (1707) und seine ältesten Söhne sind früh verstorben. Der Umfang der Werkstatt-Tätigkeit ging nach 1710 etwas zurück. Dies mag auch daran gelegen haben, dass sich Meistergesellen selbständig machten und viele Aufträge erhielten. Die Tradition von Schnitgers Orgelbaukunst wurde im Nord- und Ostseeküstengebiet lange fortgeführt. In Groningen bestand Schnitgers Werkstatt bis 1863.

1713 vermählte sich Schnitger mit einer Oldenburgerin aus Abbehausen, Anna Elisabeth Koch. Eine beschwerliche Winterreise nach Zwolle im Dezember 1718 zu Verhandlungen über einen Orgelneubau in der dortigen großen Stadtkirche beeinträchtigte Arp Schnitgers Gesundheit stark. Er verstarb im folgenden Jahr und wurde am 28. Juli in der Neuenfelder Kirche beigesetzt.

Diese Lebensskizze folgt einem Text von Peter Golon zu Leben und Werk Arp Schnitgers, aus: Cornelius H. Edskes/Harald Vogel, Arp Schnitger und sein Werk, Bremen 2009.