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Golzwarden

1698

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Grasberg

Die Taufkirche
Schnitgers

Das alte Kirchdorf Golzwarden in der Wesermarsch gehört heute zur Hafenstadt Brake und liegt in der Nähe einer Fähre über die Weser. Die mittelalterliche Kirche verfügt über ein beeindruckendes und einheitliches Interieur aus dem 17. Jahrhundert, zu dem der bei der Taufe Arp Schnitgers benutzte Taufstein aus dem Jahre 1634 gehört. Der Geburtsort Schnitgers, das kleine Dorf Schmalenfleth, gehört zum Kirchspiel Golzwarden.

Im Jahre 1698 baute Schnitger auf der Westempore ein zweimanualiges Werk mit 20 Registern. Das Pedal war hinter dem Gehäuse, das bis heute erhalten blieb, aufgestellt. Dieses Projekt wurde mit einem geringen finanziellen Aufwand für die Gemeinde Golzwarden durchgeführt, wobei die bestehende Orgel so weit wie möglich wiederverwendet wurde. Wie sehr Schnitger seiner alten Heimatgemeinde entgegen kam, ist aus dem Visitationsprotokoll von 1695 zu entnehmen. Im Vorfeld des Orgelbaus wurde vermerkt: Schnitger hat

sich freywillig erboten, weil er aus diesem Kirchspiel gebürtig, diese Orgel solchergestalt zu repariren und beständig zu machen, daß jedermann ihm deswegen zu danken Ursache haben soll. Da er denn Gott zu Ehren und diesem Kirchspiel zum besten für seine Arbeit und Machelohn nicht mehr begehret, als waß Materialien und Speisung betrifft ...

Im Zusammenhang mit dem Orgelbau wurde die Inneneinrichtung der Kirche neu erstellt. Dazu gehört die Orgelempore und die an der Nordseite anschließende Galerie-Empore mit anschließendem Herrenstuhl. Alle Füllungen wurden mit biblischen Szenen bemalt. Dieser Zyklus von 42 Tafelbildern ist sehr umfangreich und zeigt in der Emporenbrüstung auch die Darstellung einer Orgel. Bemerkenswert ist der Sinnspruch, der vielleicht sogar in einem Zusammenhang mit Arp Schnitger und seiner Orgelstiftung stehen kann:

» Mein Odem Gott stets preist / Mein Klang erfreut den Geist / Mein Schall aufs Ewig weist. «

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Orgel mehrmals repariert und geringfügig umgebaut, bevor 1912 ein damals modernes Werk eingebaut und das alte Innenwerk entsorgt wurde. In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg war die Wertschätzung der alten norddeutschen Orgelkunst verschwunden und der Name Schnitger  nicht mehr bekannt. Das änderte sich mit der Entdeckung der erhaltenen Instrumente aus der Barockzeit in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts und der Abwendung vom spätromantischen Orgelideal, das in dem Neubau von 1912 in Golzwarden realisiert wurde. Hinzu kam der Umstand, dass die neue Technologie der Kraftübertragung von den Tasten zu den Ventilen bei den Pfeifen ein hochkompliziertes Druckluftverfahren (die „Pneumatik“) benutzte, das in Golzwarden nicht dauerhaft funktionierte. Deshalb wurde bereits 1965 in das Gehäuse Schnitgers ein neues Werk mit mechanischer Traktur eingebaut. Allerdings entsprach die Konstruktion nicht der nachhaltigen Bauweise Schnitgers und erfordert jetzt wieder eine Erneuerung.

Arp Schnitger Orgel in St. Bartholomaeus, Golzwarden

Es besteht der Plan, dass die Anlage Schnitgers, die über 200 Jahre bestand und nur aus Gründen eines gewandelten musikalischen Geschmacks 1912 beseitigt wurde, wieder hergestellt werden soll. Damit würde die Taufkirche Schnitgers, die eine ausgezeichnete Akustik aufweist, wieder ein angemessenes Orgelinstrument erhalten. Das von der Arp Schnitger Gesellschaft neben der Kirche eingerichtete Arp Schnitger Centrum erhält dann den klingenden Kontrapunkt zu der wertvollen Sammlung von Informationen über Leben und Werk Arp Schnitgers.

Text: Prof. Dr. h.c. mult. Harald Vogel

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