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Kehdingbruch

1816/17

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Pellworm

Die Schnitger-
Klangtradition

Die Orgel in Kehdingbruch gehört zu den wenigen Instrumenten, die nie umgebaut wurden und klanglich ein Höchstmaß an Authentizität besitzen. Die Kirche wurde in den Jahren vor 1753 gebaut und gehört zum Land Hadeln an der Niederelbe. Die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit dieser Region im Mündungsgebiet der Elbe hat eine reiche Orgelkultur hervorgebracht, die in den großen dreimanualigen Werken in Lüdingworth und Altenbruch - mit originalen Registern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert - noch heute bewundert werden kann.

Der in Stade wirkende Orgelbauer Georg Wilhelm erbaute 1816/17 in Kehdingbruch die Orgel mit 15 Registern, die auf das Manualwerk in der Emporenbrüstung und das dahinter angelegte Pedal verteilt sind. Es ist bemerkenswert, dass Georg Wilhelm zur gleichen Zeit die Schnitger-Orgel aus der St. Johannis-Klosterkirche in Hamburg in Cappel aufbaute. Es ist weiterhin bemerkenswert, dass auch Kehdingbruch als Aufstellungsort dieses Werks in Erwägung gezogen wurde.

Arp Schnitger Orgel in St. Jürgen, Kehdingbruch

Die Bauweise der Orgel in Kehdingbruch musste den beengten Raunverhältnissen mit einem sehr geringen Abstand von Empore und Holzbalkendecke angepasst werden. Dabei hat Georg Wilhelm eine ähnliche Lösung gefunden wie Arp Schnitger in der Waisenhauskirche in Hamburg, dem ursprünglichen Aufstellungsort der heute in Grasberg befindlichen Schnitger-Orgel. Die Stader Orgelwerkstatt wurde von 1781 bis 1858 von der Orgelbauerfamilie Wilhelmy (oder Wilhelm) in der Schnitger-Tradition weitergeführt und hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Schnitger-Orgeln der Region gut gepflegt wurden und dadurch für lange Zeit unverändert blieben.

Durch die nachhaltige Bauweise und die fachmännische Pflege der in Stade wirkenden Orgelbauer blieb das Instrument in Kehdingbruch immer in einem befriedigenden Zustand. Nach zwei vorsichtigen Restaurierungen 1959/60 durch die Orgelwerkstatt Führer (Wilhelmshaven) und 2003 durch Bartelt Immer (Norden) kann heute die ursprüngliche Klangvielfalt und Fülle erlebt werden.

Text: Prof. Dr. h.c. mult. Harald Vogel

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