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Lüdingworth

1682

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Hamburg

Eine Vielfalt
von Consortklängen

Der »Bauerndom« in Lüdingworth gehört zu den eindrucksvollsten Dorfkirchen in Norddeutschland mit einer Ausstattung aus dem Mittelalter (Altäre), der Renaissance (Kanzel und Empore) und der Barockzeit (Kirchenstühle und Orgel). Das Land Hadeln – die Elbmarsch östlich der Stadt Cuxhaven – konnte sich über Jahrhunderte eine vom Landesherren weitgehend unabhängige Selbstverwaltung erhalten, die einen Abfluss der erwirtschafteten Finanzen verhinderte. So wurden die Kirchen ungewöhnlich reich ausgestattet und es konnte ein vorbildliches Schulwesen eingerichtet werden.

Lüdingworth verfügte im 17. Jahrhundert über fast städtische Verhältnisse in der Ausstattung mit drei Pfarrstellen, einem Kantor und einem Organisten. Die Kirchengemeinde Lüdingworth war in der Lage, eine Musikpflege zu finanzieren, die den Bau einer aufwändigen Orgel rechtfertigte. Der Fund der »Lüdingworther Tabulatur« aus dem 16. Jahrhundert hat das älteste Dokument norddeutscher Orgelmusik aus der Renaissancezeit zu Tage gefördert.

In Lüdingworth verwendete Arp Schnitger das Pfeifenwerk der Vorgängerorgel von 1599. Es handelte sich dabei um eine recht große Renaissance-Orgel mit 20 Stimmen auf zwei Manualen und Pedal von Antonius Wilde. Schnitger war ein Meister der Integration älterer Instrumente in sein Konzept und hat dadurch nicht nur das Pfeifenwerk, sondern auch die älteren Orgelgehäuse in vielen Fällen erhalten.

Arp Schnitger Orgel in St. Jacobi d.Ä., Lüdingworth

Der Kontrakt für den Bau einer großen dreimanualigen Orgel mit Pedaltürmen in Lüdingworth wurde mit Schnitger zu Beginn seiner Karriere geschlossen, als er den Auftrag zum Bau seines größten Instruments in der Hamburger Nicolaikirche erhielt. Diese Situation zwang ihn, ein Filialsystem aufzubauen, das er bis zum Ende seiner Tätigkeit beibehielt.

Auf diese Weise konnte er mehr als 170 Orgelprojekte in einem großen geographischen Gebiet ausführen, das von Moskau bis nach Süd-Portugal reichte.

In Lüdingworth wurde der Orgelbau hauptsächlich von Schnitgers Meistergesellen Andreas Weber ausgeführt, der sicher auch einen Einfluss auf Details der äußeren Gestaltung nahm. So zeigt der Prospekt des Rückpositivs eine Pfeifenaufstellung, die nicht bei anderen Schnitger-Orgeln zu finden ist.

Klanglich dominieren die Register aus der Renaissance-Orgel von Antonius Wilde und geben dem reich disponierten Werk eine Vielfalt von Consortklängen, die sehr günstig ist für die Darstellung des Repertoires aus dem gesamten 17. Jahrhundert. Dazu trägt auch die terzenreine mitteltönige Stimmung bei, die jetzt wieder zu hören ist. Besonders erwähnenswert sind die alten Zungenstimmen, die aus der Renaissance-Orgel übernommen wurden: Die Trompeten im Hauptwerk und Pedal sowie das charakteristische Messingregal im Brustpositiv.

Zum authentischen Klang kommt in Lüdingworth auch ein authentisches Spielgefühl, das dadurch gefördert wird, dass hier der originale Spieltisch mit den ursprünglichen Manual-Klaviaturen erhalten ist.

Text: Prof. Dr. h.c. mult. Harald Vogel

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