Deutsch / English

Norden

1686

Nächste Orgel
Kehdingbruch

Größte Orgel Ostfrieslands –
eine vollständige Stadtorgel

In der Nähe der Nordseeküste im äußersten Nordwesten Deutschlands liegt die Stadt Norden. Sie ist die älteste Stadt Ostfrieslands und hatte seit dem ersten Bau der Deiche im 11. Jahrhundert bis zum 17. Jahrhundert eine große Bedeutung als Markt, Hafenstadt und Handelsplatz. In der Mitte des sehr großen Marktplatzes ragt das Dach der heute größten mittelalterlichen Kirche Ostfrieslands empor. Der älteste Teil dieser Kirche ist das niedrige Langhaus, das im frühen 13. Jahrhundert erbaut wurde. Kurz nach 1300 wurde die Kirche im Osten um ein Querhaus mit Kreuzgewölben erweitert. Um 1455 wurde der alles überragende dreischiffige Hochchor fertiggestellt.

Die Orgel ist nicht nur das zweitgrößte in den Zustand der Erbauungszeit zurückversetzte Werk Arp Schnitgers und die größte Orgel Ostfrieslands, sondern das Instrument verdient auch durch den außergewöhnlichen Aufstellungsort Beachtung. Die 1618 von Edo Evers erbaute dreimanualige Vorgängerorgel befand sich an der Südmauer des Chores, in der Nähe des heutigen Oberwerks. Die seitliche Aufstellung vor der Südwand des Chores, die Lage des Rückpositivs mit dem Prospekt in der Mitte des Vierungsbogens nach Osten und die Position des einzelnen Pedalturms vor dem südöstlichen Vierungspfeiler gehören zu den eindrucksvollen innovativen Leistungen Arp Schnitgers.

Ab Mai 1687 kamen die Orgelteile per Schiff in den Hafen von Norden, der damals noch eine unmittelbare Verbindung zur Nordsee hatte. 1692 fügte Schnitger das Oberwerk als viertes Manualwerk hinzu, allerdings in einer sehr einfachen Gestaltung des Gehäuses. Die Gesamtkosten beliefen sich für das gesamte Werk mit 46 Registern auf etwas mehr als 4000 Gulden.

Arp Schnitger Orgel in der Ludgeri-Kirchengemeinde, Norden

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Konzeption der Orgel mit Ausnahme der Klaviaturen und der Bälge zwar nicht verändert, doch ging die Hälfte der alten Register im Laufe der Zeit verloren, zuletzt 1917 durch die Ablieferung der Prospektpfeifen zu Kriegszwecken. 1929-30 wurden Restaurierungsarbeiten durchgeführt, die einen wichtigen Schritt zu einer neuen Bewertung des Orgel-Kulturerbes darstellten. Bei diesem ersten Versuch einer Rückführung auf die ursprüngliche Disposition einer Schnitger-Orgel wurden im Vorfeld Untersuchungen zur Mensurierung von Registern vorgenommen, die in den Maßen und den Pfeifenformen rekonstruiert werden sollten. Zusammen mit einer Kirchenrenovierung wurde endlich in den Jahren 1981 bis 1985 eine Restaurierung der Orgel nach strengen denkmalpflegerischen Maßstäben durch Jürgen Ahrend durchgeführt.

Die Schnitger-Orgel in der Ludgerikirche in Norden hat zwei unterschiedliche Arten der Klangentfaltung: In westlicher Richtung hat sie die Funktion einer Orgel zum Gemeindegesang mit der klanglichen Betonung der Bässe in einem einzelnen Pedalturm. In östlicher Richtung wird der Klang in der Akustik des gotischen Hochchors mit langen Nachhallzeiten stark beeinflusst und kommt in dem frühen liturgischen Orgelrepertoire sehr gut zur Geltung.

Text: Prof. Dr. h.c. mult. Harald Vogel

Weitere Orgeln